Gebärdensprache lernen an der Volkshochschule
Die Deutsche Gebärdensprache ist seit 2002 als eigenständige Sprache anerkannt - mit eigener Grammatik, eigenem Wortschatz und eigener Struktur. Sie ist keine Übersetzung des Deutschen in Handzeichen. Volkshochschulen bieten Kurse für Hörende an, die meist über ein bis zwei Semester bis zu einfachen Gesprächen führen.
- seit 2002als eigene Sprache anerkannt
- 4Bausteine je Gebärde
- 80-200 T.Gehörlose in Deutschland
- 80-160 €je Semester an der VHS
Eine eigene Sprache, keine Übersetzung
Der häufigste Irrtum: Gebärdensprache sei Deutsch mit den Händen. Tatsächlich hat sie eine eigene Grammatik. Die Satzstellung folgt anderen Regeln, Zeitangaben stehen am Anfang, und Fragen werden über die Mimik markiert - hochgezogene Augenbrauen bedeuten eine Entscheidungsfrage, gesenkte eine W-Frage.
Jede Gebärde setzt sich aus vier Bausteinen zusammen: Handform, Handstellung, Ausführungsort und Bewegung. Ändert sich einer davon, ändert sich die Bedeutung - vergleichbar mit dem Austausch eines Lautes im gesprochenen Wort.
Dazu kommt das Mundbild: Viele Gebärden werden von lautlos gesprochenen Wörtern begleitet, die zur Unterscheidung beitragen. Wer nur die Hände beobachtet, versteht deshalb weniger als gedacht.
Warum Mimik zur Grammatik gehört
In der Gebärdensprache trägt das Gesicht Bedeutung, nicht nur Gefühl. Augenbrauen, Kopfhaltung und Blickrichtung markieren Fragen, Bedingungen und Verneinung. Für Hörende ist das die größte Umstellung: Sie sind darauf trainiert, Mimik als Ausdruck zu lesen, nicht als Satzzeichen.
Im Kurs wird das von Anfang an geübt, weil es sich später kaum korrigieren lässt. Viele Kursleitungen sind selbst gehörlos - der Unterricht läuft dann weitgehend ohne gesprochene Sprache, was ungewohnt ist und den Lernerfolg deutlich erhöht.
Ablauf und Niveaus
Ein Semester umfasst meist 15 Termine zu je 90 Minuten bei Gebühren zwischen 80 und 160 Euro.
- Stufe 1Fingeralphabet, sich vorstellen, Zahlen, Familie, erste Gebärden
- Stufe 2-3Alltagsgespräche, Zeitformen, Mimik als Grammatik
- ab Stufe 4Erzählen, Gehörlosenkultur, komplexere Strukturen
Wer beruflich damit arbeiten möchte - in Pflege, Bildung oder Verwaltung -, braucht deutlich mehr. Die Ausbildung zum Gebärdensprachdolmetscher ist ein Studium und dauert mehrere Jahre.
Wer an der VHS Gebärdensprache lernt
Ein großer Teil hat konkreten Anlass: Angehörige gehörloser Menschen, Beschäftigte in Kitas, Schulen, Pflege und Verwaltung. Dazu kommen Eltern gehörloser Kinder, für die es oft der erste Zugang zur Sprache ihres Kindes ist. Ein wachsender Teil kommt aus Interesse an der Sprache selbst.
Häufige Fragen
Ist Gebärdensprache international?
Nein. Jedes Land hat eine eigene Gebärdensprache mit eigener Grammatik - die Deutsche Gebärdensprache unterscheidet sich von der amerikanischen oder österreichischen. Für internationale Begegnungen gibt es „International Sign", ein vereinfachtes Verständigungssystem.
Kann ich damit als Dolmetscher arbeiten?
Nein. Dolmetschen setzt ein mehrjähriges Studium voraus. VHS-Kurse führen zu einfachen Gesprächen und sind der Einstieg, nicht die Berufsqualifikation.
Muss ich das Fingeralphabet lernen?
Ja, es steht am Anfang jedes Kurses. Gebraucht wird es für Namen und für Wörter, für die es keine eigene Gebärde gibt - im Gespräch also seltener, als Anfänger erwarten.
Wie lange dauert es bis zu einem Gespräch?
Für einfache Unterhaltungen ein bis zwei Semester bei einem Abend pro Woche. Wer Kontakt zu gehörlosen Menschen hat und regelmäßig übt, kommt deutlich schneller voran - wie bei jeder Sprache.
Was kostet ein Kurs an der VHS?
Zwischen 80 und 160 Euro pro Semester. Weil Kursleitungen mit entsprechender Qualifikation nicht überall verfügbar sind, kommen Kurse an kleineren Volkshochschulen nur bei ausreichender Anmeldezahl zustande.
Kurs in Ihrer Nähe finden
Gebärdensprachkurse führen vor allem größere Volkshochschulen im Programm. Über unsere Übersicht der Bundesländer finden Sie die Einrichtung in Ihrer Region.
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