Tai-Chi-Kurse an der Volkshochschule
Tai Chi sieht aus wie Zeitlupe und ist doch Kampfkunst: Jede Bewegung der Form hat einen Ursprung in Abwehr oder Angriff. An der Volkshochschule steht davon der gesundheitliche Nutzen im Vordergrund - Gleichgewicht, Beweglichkeit, Ruhe. Wer eine Form lernt, braucht Geduld: Die ersten Bewegungen sitzen nach Wochen, die ganze Form nach Jahren.
- 10-15Termine je Semester
- 60-140 €Kursgebühr
- 24Bilder in der Peking-Kurzform
- bis 80 %Erstattung bei Zertifizierung
Was Tai Chi ist
Vollständig heißt es Taijiquan und gehört zu den inneren Kampfkünsten Chinas. Geübt wird eine Form: eine festgelegte Abfolge von Bewegungen, langsam und ohne Unterbrechung ausgeführt. Verbreitet ist an Volkshochschulen die Peking-Kurzform mit 24 Bildern - eine in den 1950er Jahren zusammengestellte Reihe, die etwa fünf Minuten dauert und in einem bis zwei Jahren erlernbar ist.
Der vollständige Name lässt sich als „Faustkampf nach dem höchsten Prinzip" übersetzen. Taiji bezeichnet das Wechselspiel von Yin und Yang, für das auch das bekannte schwarz-weiße Kreissymbol steht, quan heißt Faust. Im Deutschen hat sich die ältere Umschrift „Tai Chi" gehalten, gemeint ist dieselbe Sache.
Daneben gibt es Stile mit eigenen Formen. Der Chen-Stil ist der älteste und enthält neben den langsamen Passagen auch schnelle, kraftvolle Bewegungen. Der Yang-Stil ist die verbreitetste Variante, gleichmäßig langsam und deshalb für Kurse am besten geeignet; die Peking-Kurzform stammt aus dieser Linie. Dazu kommen Wu und Sun, letzterer mit höherem Stand und deshalb gelenkschonend. Für Anfänger ist das zweitrangig: Entscheidend ist, wer unterrichtet, nicht welcher Stil im Kurstitel steht.
Über allen Stilen stehen dieselben Prinzipien, an denen sich die Qualität einer Stunde ablesen lässt: aufrechte Wirbelsäule, gelöste Schultern, deutliche Gewichtsverlagerung von einem Bein aufs andere, Bewegung aus der Körpermitte statt aus den Armen, und ein Fluss, der nicht abreißt. Wer diese Punkte hört, ist bei einer soliden Kursleitung.
Tai Chi Walking: was damit gemeint ist
Unter „Tai Chi Walking" oder „Tai Chi Gehen" laufen zwei verschiedene Dinge, die regelmäßig verwechselt werden.
Im Tai Chi selbst ist damit die Schrittarbeit gemeint, eine Grundübung, die vor der Form kommt. Geübt wird extrem langsames Gehen: Das Gewicht bleibt vollständig auf dem Standbein, der andere Fuß setzt zuerst mit der Ferse oder dem Ballen auf und wird erst belastet, wenn er sicher steht. Erst dann verlagert sich das Gewicht. Diese Übung trainiert genau das, was Tai Chi für die Sturzprävention interessant macht - die Kontrolle über die Gewichtsverlagerung und die Fähigkeit, jederzeit anzuhalten. Sie lässt sich überall üben und braucht keine Form.
Daneben kursieren unter demselben Namen Fitness-Videos für zu Hause, oft als „Indoor Walking" angeboten: angeleitete Bewegungsprogramme im Wohnzimmer, die Schritte auf der Stelle mit fließenden Armbewegungen kombinieren. Das kann eine sinnvolle Alltagsbewegung sein, hat mit Taijiquan aber nur die Optik gemeinsam - keine Form, kein Stil, keine Kampfkunstprinzipien. Wer danach sucht und in einem Volkshochschulkurs landet, findet dort etwas anderes: langsamer, anspruchsvoller im Detail und auf Jahre angelegt.
Was es bringt
- Gleichgewicht - der am besten belegte Effekt. Studien zeigen weniger Stürze bei älteren Menschen; deshalb steht Tai Chi in vielen Sturzpräventionsprogrammen.
- Beweglichkeit und Haltung - durch die tiefe, gleichmäßige Belastung der Beine und die aufrechte Achse.
- Ruhe - die Konzentration auf Bewegungsabläufe unterbricht das Gedankenkreisen zuverlässiger als der Vorsatz, nicht zu grübeln.
- Gelenkschonung - keine Sprünge, keine Stöße. Auch mit Arthrose oder nach Verletzungen meist möglich.
Tai Chi, Qigong oder Yoga?
- Tai Chizusammenhängende Form aus vielen Bewegungen, Ursprung in der Kampfkunst, anspruchsvoll zu merken
- Qigongeinzelne, wiederholte Übungen mit Atemführung - leichter zugänglich, kein Formgedächtnis nötig
- Yogagehaltene Positionen statt fließender Bewegung, indische Tradition
Viele Volkshochschulen bieten Tai Chi und Qigong kombiniert an - das ist für den Einstieg günstig, weil die Qigong-Übungen von Anfang an etwas zum Mitnehmen liefern, während die Form noch wächst.
Voraussetzungen und Ausstattung
Sportliche Vorkenntnisse braucht es nicht, Kondition ebenso wenig. Was zählt, ist Regelmäßigkeit: Wer zwischen den Terminen nichts übt, fängt jede Woche von vorn an. Fünf Minuten täglich genügen.
Getragen wird bequeme Kleidung und flaches Schuhwerk oder dünne Gymnastikschuhe; barfuß ist ebenfalls verbreitet. Anders als bei Yoga wird meist im Stehen geübt, eine Matte ist nicht nötig. Im Sommer verlegen viele Kurse in den Park - Tai Chi ist ursprünglich eine Übung im Freien.
Eine Stunde folgt fast überall demselben Aufbau: zunächst Lockerung und Stehen zur Sammlung, dann Grundübungen wie die Schrittarbeit oder einzelne Bewegungen aus der Form, danach das Wiederholen des bereits Gelernten und schließlich ein neues Stück. Am Ende steht oft eine kurze Ruhephase. Neue Bewegungen kommen in kleinen Portionen dazu, meist ein bis zwei je Termin - deshalb dauert eine Form auch ihre Zeit.
Ist der Kurs als Präventionskurs nach § 20 SGB V zertifiziert, beteiligen sich die Krankenkassen in der Regel mit 80 bis 100 Prozent der Gebühr, meist für zwei Kurse im Jahr. Zertifiziert wird nicht das Thema, sondern das konkrete Angebot samt Qualifikation der Leitung, deshalb lohnt die Nachfrage vor der Anmeldung. Fortlaufende Übungsgruppen ohne festen Kursbeginn fallen üblicherweise nicht darunter.
Häufige Fragen
Was ist Tai Chi?
Eine innere Kampfkunst aus China, vollständig Taijiquan. Geübt wird eine Form: eine festgelegte Bewegungsabfolge, langsam und ohne Unterbrechung. An Volkshochschulen steht der gesundheitliche Nutzen im Vordergrund, vor allem Gleichgewicht, Beweglichkeit und Ruhe.
Was ist Tai Chi Walking?
Im Tai Chi ist damit die Schrittarbeit gemeint: sehr langsames Gehen, bei dem der Fuß erst belastet wird, wenn er sicher steht. Das trainiert die Gewichtsverlagerung und ist die Grundlage der Sturzprävention. Online laufen unter demselben Namen auch Fitness-Videos fürs Wohnzimmer, die damit nur die Optik gemeinsam haben.
Ist Tai Chi für Ältere geeignet?
Besonders gut. Es gibt keine Sprünge und keine Stöße, das Training verbessert nachweislich das Gleichgewicht und wird deshalb in der Sturzprävention eingesetzt. Übungen lassen sich im Sitzen abwandeln.
Wie lange dauert es, die Form zu lernen?
Die Peking-Kurzform mit 24 Bildern brauchen die meisten ein bis zwei Jahre, um sie sicher zu beherrschen. Die ersten Bewegungen sitzen nach wenigen Wochen - die Form ist ein langsames Fach.
Was ist der Unterschied zu Qigong?
Qigong besteht aus einzelnen, wiederholten Übungen mit Atemführung und ist leichter zugänglich. Tai Chi ist eine zusammenhängende Form aus vielen Bewegungen, die man sich merken muss.
Was kostet ein Tai-Chi-Kurs?
Zwischen 60 und 140 Euro pro Semester. Ist der Kurs als Präventionskurs zertifiziert, erstattet die Krankenkasse meist 80 bis 100 Prozent - fragen Sie vor der Anmeldung danach.
Brauche ich besondere Kleidung?
Nein, bequeme Kleidung und flache Schuhe genügen; barfuß ist ebenfalls üblich. Eine Matte brauchen Sie nicht, weil überwiegend im Stehen geübt wird.
Kurs in Ihrer Nähe finden
Tai Chi steht an den meisten Volkshochschulen im Programm, oft zusammen mit Qigong und meist als Semesterkurs mit wöchentlichem Termin. Einsteigerkurse beginnen üblicherweise im September und im Februar; wer mitten im Semester dazukommen möchte, fragt nach, ob eine offene Übungsgruppe läuft. Über unsere Übersicht der Bundesländer finden Sie die Einrichtung in Ihrer Region.
Verwandte Themen: Qigong als leichter zugänglicher Einstieg ohne Formgedächtnis, Yoga mit gehaltenen Positionen statt fließender Bewegung, Meditation für die stille Variante der Sammlung sowie die Gesundheitskurse mit dem gesamten Präventionsangebot.
Tai-Chi-Kurse in Ihrer Region
Volkshochschulen sind kommunal organisiert - welche Kurse tatsächlich laufen, entscheidet die Einrichtung vor Ort. Über die Städteseiten finden Sie Adressen, Kursbereiche und Einrichtungen in der Umgebung.