Schulabschluss nachholen an der VHS
An Volkshochschulen lassen sich alle allgemeinbildenden Schulabschlüsse nachholen: der Hauptschulabschluss, der Realschulabschluss, die Fachhochschulreife und in Kooperation mit Abendgymnasien und Kollegs auch das Abitur. Die Lehrgänge dauern je nach Abschluss und Vorbildung ein bis drei Jahre, finden überwiegend abends oder in Teilzeit statt und sind in vielen Bundesländern gebührenfrei. Der erworbene Abschluss ist rechtlich dem an einer allgemeinbildenden Schule erworbenen gleichgestellt.
Welcher Abschluss kommt für Sie infrage?
- Hauptschulabschluss nachholen - Einstieg ohne Vorbedingungen, Dauer meist ein Jahr in Vollzeit oder zwei Jahre berufsbegleitend.
- Realschulabschluss nachholen - auch mittlerer Schulabschluss oder mittlere Reife genannt, öffnet den Weg in viele Ausbildungsberufe und zur Fachoberschule.
- Fachhochschulreife nachholen - berechtigt zum Studium an Fachhochschulen, teils auch an Universitäten in einzelnen Fächern.
- Abitur nachholen - allgemeine Hochschulreife, meist am Abendgymnasium oder Kolleg in Kooperation mit der Volkshochschule.
Wie lange dauert es wirklich?
Im Netz kursieren Angebote, die einen Hauptschulabschluss „in 3 Monaten" oder einen Realschulabschluss „in 6 Monaten" versprechen. Diese Zeitangaben stammen fast immer von privaten Fernschulen und beziehen sich auf die reine Vorbereitungszeit für die Nichtschülerprüfung, nicht auf einen kompletten Bildungsgang. Sie setzen voraus, dass Sie bereits nah am Stoff sind, täglich mehrere Stunden lernen und die Prüfung im ersten Anlauf bestehen.
An der Volkshochschule sind die Lehrgänge anders zugeschnitten. Sie führen den Stoff systematisch von Grund auf durch und richten sich an Menschen, deren Schulzeit lange zurückliegt. Das dauert länger, führt aber zuverlässiger zum Abschluss:
| Abschluss | Vollzeit | Berufsbegleitend (abends) |
|---|---|---|
| Hauptschulabschluss | etwa 1 Jahr | 1 bis 2 Jahre |
| Realschulabschluss / mittlere Reife | 1 bis 2 Jahre | 2 bis 3 Jahre |
| Fachhochschulreife | 2 Jahre | 3 Jahre |
| Abitur (Abendgymnasium, Kolleg) | 3 Jahre | 3 bis 4 Jahre |
Wer schneller zum Ziel möchte, kann die Nichtschülerprüfung ablegen, auch Externenprüfung genannt: Sie melden sich ohne Lehrgang direkt bei der Schulbehörde zur Prüfung an und bereiten sich selbst vor. Das ist der schnellste Weg, aber auch der mit der höchsten Durchfallquote. Viele Volkshochschulen bieten dafür gezielte Vorbereitungskurse an, ohne dass Sie den vollständigen Lehrgang belegen müssen.
Geht das auch online?
Ein vollständig virtueller Lehrgang ist an Volkshochschulen die Ausnahme. Einzelne Einrichtungen unterrichten Teile online, seit 2020 deutlich häufiger als davor, aber der Klassenverband und die Prüfungsvorbereitung in Präsenz gelten weiterhin als tragende Elemente. Wer ortsunabhängig lernen muss, findet passende Angebote eher bei staatlich zugelassenen Fernschulen - dort fallen dann allerdings monatliche Gebühren an, oft über mehrere hundert Euro insgesamt.
Die Prüfung selbst legen Sie in jedem Fall in Präsenz ab. Das gilt auch für Fernlehrgänge: Der schriftliche und mündliche Teil findet vor einem staatlichen Prüfungsausschuss statt.
Wie der Weg abläuft
Am Anfang steht ein Beratungsgespräch an der Volkshochschule. Dort wird geklärt, welchen Abschluss Sie bereits haben, welche Vorleistungen angerechnet werden können und welcher Lehrgang zeitlich zu Ihrer Situation passt. Viele Volkshochschulen führen zusätzlich einen kurzen Einstufungstest durch, vor allem in Deutsch und Mathematik. Dieses Gespräch ist kostenlos und verpflichtet zu nichts.
Der Unterricht findet in festen Klassen statt, üblicherweise an drei bis fünf Abenden pro Woche mit jeweils drei bis vier Unterrichtsstunden. Unterrichtet werden die Prüfungsfächer nach den Lehrplänen des Bundeslandes. Die Abschlussprüfung nehmen staatliche Prüfungsausschüsse ab, teils an der Volkshochschule selbst, teils an einer kooperierenden Schule. Ein Nichtbestehen ist kein Ausschlusskriterium: Die Prüfung kann in der Regel einmal wiederholt werden.
Was es kostet und wer zahlt
Weil das Nachholen von Schulabschlüssen zum öffentlichen Bildungsauftrag gehört, sind die Lehrgänge in vielen Bundesländern gebührenfrei. Wo Gebühren anfallen, liegen sie meist deutlich unter denen privater Anbieter. Zusätzliche Kosten entstehen für Lernmittel, Prüfungsgebühren und gegebenenfalls Fahrtkosten.
Wer Bürgergeld oder Arbeitslosengeld bezieht, sollte vor der Anmeldung mit dem Jobcenter oder der Agentur für Arbeit sprechen. Das Nachholen eines Schulabschlusses gilt dort als Maßnahme zur beruflichen Eingliederung und kann über einen Bildungsgutschein gefördert werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kommt außerdem eine Förderung nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz oder Schüler-BAföG infrage. Weitere Fördermöglichkeiten finden Sie auf unserer Seite zur VHS Bildungsprämie.
Förderung über die Agentur für Arbeit
Ein Bildungsgutschein wird nicht automatisch ausgestellt, sondern nach einem Beratungsgespräch und nur, wenn der fehlende Abschluss als Hindernis für die Vermittlung eingestuft wird. Drei Punkte helfen dabei:
- Sprechen Sie vor der Anmeldung mit der Arbeitsvermittlung. Ein bereits begonnener Lehrgang wird in der Regel nicht rückwirkend gefördert.
- Bringen Sie die Kursbeschreibung der Volkshochschule mit, inklusive Dauer, Umfang und Abschlussart.
- Fragen Sie nach, ob der Lehrgang nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung zugelassen ist. Nur zugelassene Maßnahmen sind über einen Bildungsgutschein förderfähig.
Wege nach oben: aufbauend zum nächsten Abschluss
Die Abschlüsse bauen aufeinander auf, und jeder Schritt öffnet den nächsten. Mit dem Hauptschulabschluss können Sie im Anschluss die mittlere Reife nachholen, mit der mittleren Reife die Fachhochschulreife oder das Abitur. Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung hat, bekommt in mehreren Bundesländern den mittleren Schulabschluss ganz oder teilweise angerechnet - fragen Sie im Beratungsgespräch gezielt danach, das spart unter Umständen ein ganzes Jahr.
Die Schulabschlüsse im Einzelnen
Jeder Abschluss mit Dauer, Voraussetzungen und Prüfungsablauf:
Häufige Fragen zum Schulabschluss an der VHS
Ist ein Schulabschluss von der Volkshochschule gleichwertig?
Ja. Die Prüfungen werden nach den Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes von staatlichen Prüfungsausschüssen abgenommen. Im Zeugnis ist kein Unterschied zu einem an einer Regelschule erworbenen Abschluss erkennbar, und Arbeitgeber wie Hochschulen behandeln ihn gleich.
Wie alt muss ich sein?
Die Lehrgänge richten sich an Erwachsene. Üblich ist ein Mindestalter von 16 oder 17 Jahren, teils verbunden mit der Bedingung, dass die Vollzeitschulpflicht erfüllt ist. Nach oben gibt es keine Altersgrenze; in vielen Kursen sitzen Menschen zwischen 18 und 50 Jahren nebeneinander.
Geht das auch neben einem Vollzeitjob?
Die Abendlehrgänge sind genau dafür gemacht. Realistisch sollten Sie neben dem Unterricht mit mehreren Stunden häuslicher Vorbereitung pro Woche rechnen. Wer im Schichtdienst arbeitet, sollte das im Beratungsgespräch ansprechen - manche Volkshochschulen bieten Modelle mit größerer zeitlicher Flexibilität an.
Kann ich einen Abschluss auch online nachholen?
Einzelne Volkshochschulen bieten Teile des Unterrichts als Online-Format an, insbesondere seit 2020. Ein vollständig virtueller Lehrgang ist die Ausnahme, weil die Prüfungsvorbereitung und der Klassenverband eine wichtige Rolle spielen. Einen Überblick über digitale Formate gibt unsere Seite VHS Online Kurse.
Was, wenn ich seit Jahren nichts mehr gelernt habe?
Das ist der Normalfall und kein Hindernis. Für Menschen, die zunächst Grundlagen auffrischen möchten, bieten viele Volkshochschulen vorgeschaltete Kurse im Bereich Grundbildung an, etwa in Rechtschreibung oder Mathematik. Diese lassen sich vor dem eigentlichen Lehrgang belegen.
Kann ich den Schulabschluss kostenlos nachholen?
An vielen Volkshochschulen ja. Weil das Nachholen von Schulabschlüssen zum öffentlichen Bildungsauftrag gehört, sind die Lehrgänge in mehreren Bundesländern gebührenfrei. Wo Gebühren erhoben werden, gibt es Ermäßigungen für Menschen mit geringem Einkommen oder im Leistungsbezug. Kosten für Lernmittel und Prüfungsgebühren können auch dann anfallen; fragen Sie im Beratungsgespräch nach der vollständigen Aufstellung.
Ist der Abschluss in 3 oder 6 Monaten realistisch?
Solche Zeitangaben stammen von privaten Fernschulen und beziehen sich auf die Vorbereitung zur Nichtschülerprüfung. Sie setzen tägliches Lernen und Vorwissen voraus. An der Volkshochschule dauert ein Lehrgang je nach Abschluss ein bis drei Jahre, führt dafür aber schrittweise durch den gesamten Stoff. Wer schnell zum Ziel muss, sollte den Weg über die Nichtschülerprüfung im Beratungsgespräch ansprechen.
Gilt der Abschluss in allen Bundesländern?
Ja. Schulabschlüsse werden bundesweit gegenseitig anerkannt. Unterschiedlich sind allerdings die Bezeichnungen und die Zugangswege: Was in einem Land „mittlerer Schulabschluss" heißt, ist anderswo die „mittlere Reife" oder der „Realschulabschluss". Auch die Prüfungsordnungen und die Frage, ob Gebühren anfallen, regeln die Länder eigenständig. Maßgeblich ist das Land, in dem Sie die Prüfung ablegen.
Kann ich mit Hauptschulabschluss direkt zum Abitur?
Nicht direkt. In der Regel führt der Weg über den mittleren Schulabschluss, der die Voraussetzung für die gymnasiale Oberstufe am Abendgymnasium oder Kolleg ist. Für Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung gibt es in einigen Ländern verkürzte Wege. Die Volkshochschule kennt die Regelungen des jeweiligen Landes und berät dazu.
Beratung in Ihrer Stadt
Lehrgänge zum Nachholen von Schulabschlüssen werden aus organisatorischen Gründen meist nur an größeren Volkshochschulen und Kreisvolkshochschulen angeboten, nicht an jeder Nebenstelle. Über unsere Übersicht der Bundesländer finden Sie die zuständige Einrichtung in Ihrer Region. Weitere berufsbezogene Angebote finden Sie unter berufliche Weiterbildung.