Türkisch lernen an der Volkshochschule
Türkisch funktioniert anders als jede westeuropäische Sprache: Es kennt keine Artikel, kein grammatisches Geschlecht und keine unregelmäßigen Verben. Statt Präpositionen werden Endungen an das Wort gehängt - eine Logik, die überraschend regelmäßig ist, sobald man sie einmal verstanden hat.
- 0unregelmäßige Verben
- 4-5Semester bis Niveau A2
- lateinischAlphabet seit 1928
- 80-160 €je Semester an der VHS
Wörter, die aus Bausteinen bestehen
Türkisch ist eine agglutinierende Sprache: An einen Wortstamm werden Endungen gehängt, jede mit einer festen Bedeutung, immer in derselben Reihenfolge. Aus „ev" (Haus) wird „evler" (Häuser), „evlerim" (meine Häuser), „evlerimde" (in meinen Häusern). Wo im Deutschen mehrere Wörter stehen, steht im Türkischen eines.
Das klingt zunächst fremd, hat aber einen Vorteil: Es gibt kaum Ausnahmen. Wer das System der Endungen verstanden hat, kann es auf jedes Wort anwenden - ganz anders als bei den unregelmäßigen Verben des Englischen oder Französischen.
Die Vokalharmonie
Welche Form eine Endung annimmt, richtet sich nach den Vokalen des Wortstamms. Der Plural heißt mal „-ler", mal „-lar" - „evler", aber „kitaplar" (Bücher). Diese Vokalharmonie ist die Regel, an der Lernende am Anfang am häufigsten hängen bleiben; sie sitzt meist nach dem ersten Semester.
Die Aussprache selbst macht wenig Mühe: Türkisch wird seit 1928 mit lateinischen Buchstaben geschrieben und ist lautgetreu - jeder Buchstabe steht für genau einen Laut. Ungewohnt sind vor allem das ı ohne Punkt und das ğ, das den vorangehenden Vokal dehnt.
Was Deutschsprachigen Mühe macht
Der Satzbau folgt der Reihenfolge Subjekt - Objekt - Verb: „Ben kitap okuyorum" heißt wörtlich „Ich Buch lese". Das Verb steht am Ende, und Nebensätze werden nicht mit Konjunktionen gebildet, sondern über Verbformen. Diese Konstruktionen sind der Grund, warum Türkisch trotz seiner Regelmäßigkeit als anspruchsvoll gilt.
Entgegen kommt Lernenden, dass es kein grammatisches Geschlecht gibt - kein der, die, das - und dass Vokabeln aus dem Französischen und Englischen entlehnt sind, die man wiedererkennt: „otobüs", „televizyon", „randevu".
Wer an der VHS Türkisch lernt
Zwei Gruppen prägen die Kurse. Zum einen Menschen mit türkischen Wurzeln, die die Sprache aus der Familie verstehen, aber nie schreiben gelernt haben - für sie sind Anfängerkurse zu langsam und Fortgeschrittenenkurse zu schnell. Fragen Sie bei der Anmeldung nach einem Einstufungsgespräch.
Zum anderen Beschäftigte in Pflege, Schule und Verwaltung, die beruflich mit türkischsprachigen Familien zu tun haben, sowie Menschen mit türkischen Partnerinnen und Partnern. Dazu kommen Urlaubskurse vor der Reisesaison.
Häufige Fragen
Ist Türkisch schwer zu lernen?
Die Grammatik ist ungewohnt, aber sehr regelmäßig - es gibt keine unregelmäßigen Verben und kein grammatisches Geschlecht. Schwierig sind der Satzbau mit dem Verb am Ende und die Nebensatzkonstruktionen über Verbformen.
Muss ich ein neues Alphabet lernen?
Nein. Türkisch wird seit 1928 mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Neu sind nur wenige Zeichen wie das ı ohne Punkt, ş, ç und ğ. Die Schreibung ist lautgetreu.
Wie lange dauert es bis A2?
Meist vier bis fünf Semester bei einem Abend pro Woche. Wer die Endungen und die Vokalharmonie früh verinnerlicht, kommt danach deutlich schneller voran, weil kaum Ausnahmen folgen.
Gibt es Kurse für Menschen mit türkischen Wurzeln?
An einzelnen Volkshochschulen ja. Wer die Sprache aus der Familie versteht, aber nicht schreiben kann, ist in einem Anfängerkurs unterfordert. Fragen Sie bei der Anmeldung nach einem Einstufungsgespräch.
Was kostet ein Türkischkurs?
Zwischen 80 und 160 Euro pro Semester, dazu ein Lehrbuch für etwa 20 bis 30 Euro. Ermäßigungen gibt es vielerorts für Studierende, Auszubildende und Menschen im Leistungsbezug.
Kurs in Ihrer Nähe finden
Türkisch steht vor allem in Städten mit größerer türkischsprachiger Bevölkerung im Programm. Über unsere Übersicht der Bundesländer finden Sie die Volkshochschule in Ihrer Region.

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